I-Wurf

Vor wenigen Wochen ist uns das zugestoßen, was in Züchterkreisen beschönigend als "Oops-Wurf" bezeichnet wird: eine in diesem Fall ungewollte Rückverpaarung, wenige Wochen nach einem regulären und gewollten Wurf.

Wir müssen eingestehen, dass trotz aller Vorsorgemaßnahmen wie Pillenvergabe an Angelina bereits gut vier Wochen nach dem wunderschönen F-Wurf und Suprelorin-Chip bei Cellini ausgerechnet diese beiden haarscharf vorm Separieren zueinander fanden! Das ist einerseits sehr ärgerlich und in gewisser Weise auch peinlich, andererseits aufgrund unserer Maßnahmen im Vorfeld sehr, sehr überraschend gewesen. Denn Angelina hatte nicht die geringsten Anzeichen einer Rolligkeit erkennen lassen. Und trotzdem...! Als Glück im Unglück kann man bezeichnen, dass das Ergebnis dieser ungewollten Verpaarung nur ein erneutes Einzelkitten war. Ein seal-tabby-point Mädchen von 88 Gramm. Geboren am 10.10.2010, um 22 Uhr 08.

Von Anfang an ein Problemkitten insofern als die Mama wohl auf Grund ihrer ausreichenden Zahl von zu versorgenden Kitten keinerlei besonderes Interesse am Ergebnis ihres Seitensprungs zeigte und das Kleine von Anfang an vernachlässigte. Folge: Wir mussten mehr als vier Wochen lang um sein Leben und um seine Gewichtszunahme kämpfen, nachdem es in den ersten 24 Stunden volle 10 Gramm Körpergewicht verlor und nur noch 78 Gramm auf die Waage brachte. Mit Zufütterung quasi rund um die Uhr konnten wir es mit vier Wochen auf gut 400 Gramm bringen. Doch dann verweigerte es von einem Tag auf den anderen das Gimpet-Fläschchen mit der sonst so erfolgreichen 'Just Born' Aufzuchtmilch. Wir verzweifelten schier, als das Kleine wiederum innerhalb von 24 Stunden zehn Prozent seines Körpergewichts verlor! Noch nie ist uns die Aufzucht eines Kittens so nahe gegangen wie diesmal. Bis heute, eine Woche später, ist diese plötzliche Verweigerung der Flaschennahrung unerklärlich. Zumal es zwischendurch, wenn auch nur sporadisch, immer mal bei Mama saugen durfte. Auch wenn deren Milch längst nicht mehr ergiebig war und eh von den viel größeren Kitten des F-WEurfs weggetrunken wurde. Zum Glück kümmerten sich sowohl Angelina als auch die Mädchen aus dem F-Wurf (!) darum, dass das Kleine geputzt und seine Verdauung angeregt wurde – zusätzlich zu unseren Bauchmassagen nach dem Füttern.

Mittlerweile frisst das Kleine ganz unbekümmert mit den Großen vom Teller. Sowohl Kittenfutter als auch Hipp Biohühnchen und Erwachsenen-Vollnahrung. Verblüffend! Der zwischenzeitliche leichte Gewichtsverlust konnte wieder weitgehend kompensiert werden. Wir notieren tägliche Gewichtszunahmen im 20-Gramm-Bereich und unsere angespannten Nerven haben sich wieder etwas beruhigt. Und den verlorenen Schlaf beginnen wir nach und nach wieder aufzuholen. Jeder, der weiß, was es bedeutet, ein von der Mama vernachlässigtes Kitten über Wochen handzufüttern, kann sich vermutlich ausmalen, warum wir in dieser Zeit die Dokumentation unserer regulären Kitten etwas vernachlässigen mussten. Dass uns ausgerechnet dieser Krümel, der so überaus menschenfreundlich, alert, verspielt und temperamentvoll zu geraten scheint, ganz besonders ans Herz gewachsen ist, kann sich vielleicht auch jeder vorstellen. Das kleine Mädchen mit dem kräftigen Kopf und den dunkelblauen Augen heißt Ivory und wird natürlich ein Liebhabertier bleiben. Natürlich haben wir diesen Faux-pas unserem Verein gebeichtet – was auch so etwas war wie ein Canossagang. Und ebenso selbstverständlich wird Mama Angelina für mindestens ein Jahr keinen Wurf mehr haben, falls wir sie nicht eh kastrieren. Denn eigentlich hat sie für den Bambuswald genug geleistet und ein Recht darauf, "auf Rente" zu gehen...

Natürlich ist auch bei diesem "Ausrutscher" ein Blick auf den Stammbaum wie gewohnt bei Pawpeds möglich.

Sibirer vom Bambuswald